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Marktwirtschaft – quo vadis?

Deutsche Bank lud zur Podiumsdiskussion

Norbert Walter, Günther Beckstein Hans H. Overdiek und Herbert Winter
„Man hat nicht den Eindruck, dass sich die Kultur oder das Verhalten als Konsequenz dessen, was passiert ist, geändert haben.“ Diese Worte fehlten auf der Diskussionsrunde. Gesagt hat sie US-Präsident Barack Obama. Deutsche-Bank Chefvolkswirt Norbert Walter, Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Günther Beckstein und Unternehmer Hans H. Overdiek waren bei ihrer Bewertung der Krise anderer Meinung.
Marktwirtschaft – quo vadis?
Am 20 Juli 2009 lud die Deutsche Bank zum Meinungsaustausch ins Schloss Thurnau. Unter dem Motto: „Staatshilfen in der Wirtschaftskrise: Marktwirtschaft – qua vadis?“ sprachen die drei Podiumsgäste über Wege aus der Krise, erörterten das Für und Wider von staatlichen Hilfen und diskutierten die Kreditklemme.
Norbert Walter
„Wir waren zu nachlässig.“ Deutsche-Bank Chefvolkswirt Norbert Walter.
Politiker – Banker – Unternehmer
„Ein Politiker – ein Banker und ein Unternehmer“ wie Moderator und Mitorganisator Herbert Winter von den Familienunternehmern – ASU gleich zu Beginn klarstellte. Bereits in der Einleitung ebnete Winter damit den Weg des Abends. Denn das prall gefüllte ehemalige Kutschenhaus des Schlosses erlebte eine wirtschaftspolitische Diskussion auf sehr hohem Niveau - aber ohne echte Streitpunkte. Dafür hörten die geladenen Unternehmer viele klare Worte.
Selbstkritische Worte
„Wir haben die Risiken falsch eingeschätzt und waren zu nachlässig“ resümierte Norbert Walter den Auslöser der Krise. Auch beim Thema Eigenkapitalausstattung zeigte sich der Chefvolkswirt der Deutschen Bank selbstkritisch. „Wenn ich heute zurückdenke, graut es mir vor mir selbst.“ Gleichzeitig machte Walter konkrete Lösungsvorschläge: „Wir brauchen einen Staat, der für Fairness sorgt und sicherstellt, dass weiterhin Wettbewerb herrscht.“
Kann der Markt also doch selbst die Antwort auf die Fragen der Krise geben? Günther Beckstein ist skeptisch. Angesicht mangelnder Alternativen auf dem Podium gefiel sich der CSU-Politiker in der Rolle des wahlkämpfenden Bürgervertreters: „Wir brauchen stärkere Regeln, denn soziale Marktwirtschaft bedeutet nicht Kapitalismus pur“, so der ehemalige Ministerpräsident.
Hans H. Overdiek
Dramatischer Umsatzrückgang: Hans H. Overdiek, Vorstandschef der Pfleiderer AG.
„Die Lösung heißt Anpassung“
Hans H. Overdiek, Vorstandschef der Pfleiderer AG, wiederum berichtete von den aktuellen Problemen seines Unternehmens, das urplötzlich mit einem dramatischen Umsatzrückgang konfrontiert ist. „Die Lösung heißt Anpassung“, so Overdiek, der auch Staatshilfen in der Zukunft nicht ausschloss. „Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer, aber Hilfen sind manchmal notwendig und bedeuten noch keine Staatswirtschaft.“
Günther Beckstein
Günther Beckstein gefiel sich in der Rolle des wahlkämpfenden Bürgervertreters.
Einträchtig im Ergebnis
Rund zweieinhalb Stunden sprachen die Teilnehmer für und mit den geladenen Gästen. Kontrovers war es selten. Entsprechend einträchtig fielen die Ergebnisse aus: „Marktwirtschaft stärken, wenn auch mit strengeren Regeln; Steuern senken und staatliche Hilfe nur zur Überbrückung während der Krise“. Klare Worte die entsprechend großen Applaus bei den geladenen Unternehmern ernteten.
Wo bleibt die soziale Komponente?
Erst ganz zum Schluss entdeckten die Organisatoren, dass sie bei der Namensgebung des Abends etwas geschummelt hatten. Damit die soziale Komponente unseres Wirtschaftssystems an diesem Abend nicht ganz außen vor blieb, durfte Torsten Tesch, geschäftsführender Gesellschafter von Qet, die auf gerechtes System setzen, noch kurz über Ethik in der Wirtschaft sprechen.
„Staatshilfen in der Wirtschaftskrise: Marktwirtschaft – quo vadis?“ Die Diskussionsrunde war eine sehr informative Veranstaltung. Eine wirkliche Diskussion jedoch fand nicht statt: Dafür waren die Meinungen zu einheitlich.
Podiumsdiskussion der Deutschen Bank
Sehr informative Veranstaltung ohne echte Streitpunkte. Die Teilnehmer und Organisatoren der Diskussionsrunde im Schloss Thurnau.

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