Herr Aßmann, laut unserer letzten Leserbefragung und wie nicht anders zu erwarten war ist „Essen & Trinken“ für die überwiegende Mehrheit der Rasensportler ein Top-Thema. Am kulinarischen Interesse mangelt es folglich nicht. Woran liegt es dann Ihrer Meinung nach aber, dass die Golfclub- Gastronomie nur in seltenen Fällen auf die Liste der Lieblingslokale ihrer Mitglieder aufgenommen wird?
Nun, eigentlich kann man die Frage so gar nicht stellen, weil die Dinge grundverschieden sind: Ein Besuch im Lieblingslokal hat in der Regel Wellnesscharakter. Man plant ihn im voraus, kleidet sich schön, nimmt sich Zeit und lässt sich das Ganze auch gerne einiges kosten. Im Golfclub-Restaurant speist man zwischendurch oder am Abend auf die Schnelle. Die Spieler sind nach einem Tag an der frischen Luft erschöpft und wollen nach Hause. Außerdem lädt die meist ländliche Lage der Golfclubs nicht gerade zum Verweile bis in die Nacht und zur anstrengenden Autofahrt zu später Stunde.
Heißt das also, dass Golfclub-Restaurants, wenn überhaupt, nur im Zusammenhang mit dem Sport aufgesucht werden?
Nicht unbedingt. In meinem Betrieb im GC am Habsberg habe ich viele Stammgäste, denen die Location auch für Familien- oder Firmenfeiern gefällt. Doch wir haben dort über die Güte des Speisenangebotes hinaus einige entscheidende Vorteile, von denen wir – im Gegensatz zu vielen anderen Golfclub-Gastronomen– profi tieren können, beispielsweise ein sehr angenehmes Ambiente und reichlich Raum, der sich fl exibel für den jeweiligen Anlass erweitern lässt. Bei der Planung vieler Club-Gaststätten wurde weder dem einen noch dem anderen Rechnung getragen, von der Küchenkapazität und -ausstattung ganz zu schweigen. Diese Betriebe können ihre oft angespannte Kostensituation in der Konsequenz nicht über Veranstaltungen optimieren, sondern müssen ihren Umsatz alleine durch den Verzehr der Mitglieder und Greenfee-Spieler generieren, was schwierig, weil eben von vornherein nur in begrenztem Maße möglich ist.
Sie meinen die Kostensituation, die sich aus der Tatsache ergibt, dass man es mit einem reinen Saisongeschäft zu tun hat?
Auch. Natürlich steht ein Wirt hier per se vor einer enormen Herausforderung, weil ihm die Wintermonate komplett entgehen und die Frequenz selbst während der Spielsaison stark wetterabhängig ist. Letzteres schlägt vor allem dann zu Buche, weil man an regnerischen Tagen, wenn kein Mensch auf dem Platz ist, den normalen Restaurantbetrieb aufrecht erhalten muss. Eine kostspielige Angelegenheit in Anbetracht des hohen Personalaufwandes, der im Zweischichtbetrieb – Golfer wollen ja von früh morgens bis spät abends versorgt sein – zwangsläufig gegeben ist. Der Ausgleich über die Kalkulation der Speisen ist undenkbar, weil Golfer sehr preiskritisch sind. Ein bisschen eigenartig finde ich das übrigens schon, zumal sich der selbe Kundenkreis etwa in Wintersportgebieten erheblich unempfi ndlicher zeigt.




