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„Ariadne auf Naxos“ im Staatstheater Nürnberg

Richard Strauss zwischen Libido und Tod

Mardi Byers und Michael Putsch
„An dem Verlorenen festhalten, ewig beharren bis in den Tod – oder leben, weiterleben. Hinwegkommen, sich verwandeln, die Einheit der Seele preisgeben und dennoch in der Verwandlung sich bewahren.“ Der Wiener Dichter Hugo von Hofmannsthal, der das Libretto von „Ariadne auf Naxos“ schrieb, bringt die Grundidee der Oper auf den Punkt. Doch es geht um mehr als um zwei unterschiedliche Triebe, wie die Premierengäste am 4. Juli erfuhren.
Mardi Byers, „Ariadne auf Naxos“
Nur eines Mannes Gattin - nur eines Mannes Verlassene? Mardi Byers als leidende Ariadne.
Zwei Stile
Humor und Tragik, Lebensfreude und Todessehnsucht, Opera seria und Opera buffa. „Ariadne auf Naxos“ verbindet, was eigentlich nicht zueinander gehört. Richard Strauss schuf eine facettenreiche Kammeroper, die zu den bedeutendsten des 20. Jahrhunderts gehört. Sie ist geprägt von gegensätzlicher Dramaturgie und unterschiedlichen Musikrichtungen – eine Mischung, die zumindest anfänglich befremdet: nicht nur die handelnden Personen.
Musikalisches Amüsement
„Mit dieser Person auf einer Bühne?“ fragt die Darstellerin der Ariadne vorwurfsvoll in Richtung Zerbinetta, die mit vier Komödianten die „Buffa-Welt“ symbolisiert und eigentlich für den freudigen Teil des Abends zuständig ist. Zur Erklärung: Ein Graf hat für sein musikalisches Amüsement zwei Aufträge vergeben. Eine ernste Oper und eine lustige Tanz- und Singeinlage sollen ihm die Zeit zwischen Abendessen und Feuerwerk versüßen.
Not des Komponisten
Doch kurz vor der Aufführung wünscht der Auftraggeber eine Änderung. Beide Programmpunkte will er gekürzt und zusammen erleben. Wie, das überlässt er den Künstlern. Im Prolog erleben die Zuschauer, wie die Darsteller mit dieser Aufgabe umgehen. Es geht um die Nöte eines Komponisten („in dieser Welt kann keine Melodie ihre Schwingen erheben“) und darum, inwieweit Mäzene Einfluss auf die künstlerische Gestaltung nehmen dürfen. Wie in der Realität siegt auch in der Oper das Geld: Die Darsteller müssen sich fügen.
Tilman Lichdi, Ezgi Kutlu, Dietmar Saebisch
„In dieser Welt kann keine Melodie ihre Schwingen erheben“. Der Mäzen und nicht der Künstler entscheidet, was gespielt wird: Ezgi Kutlu in der Hosenrolle des Komponisten.
Unterschiedliche Welten
Musikalisch stellt Strauss die zwei unterschiedlichen Welten in „Ariadne auf Naxos“ gekonnt gegenüber. Auf der einen Seite die Commedia dell´arte, orchestral umgesetzt durch ein Soloklavier. Auf der anderen die Seria-Welt mit Anklängen aus der barocken Oper und Instrumenten wie Harmonium, Celesta und Harfe.
Christoph Prick, Musikalischer Leiter der Produktion, bewältigt diese schwierige Aufgabe souverän. Das nur 36-köpfige Orchester zeigt die ganze Vielfalt der unterschiedlichen Klangfarben. Auch sängerisch kann die Produktion überzeugen. Herauszuheben sind besonders die Solopartien von Heidi Elisabeth Meier als Zerbinetta und Ezgi Kutlu in der Hosenrolle des Komponisten. Stimmgewaltig, klar und mit wunderschönen Koloraturen: Zwei überzeugende Leistungen, die für sich allein bereits den Besuch lohnen.
Daeyoung Kim, Heidi Elisabeth
Meier, Martin Nyvall, Melih Tepretmez
Zerbinetta (Heidi Elisabeth Meier) mit ihren Komödianten symbolisieren die „Buffa-Welt“.
Umjubelte Premiere
Am Ende feiern die Zuschauer Sänger, Musiker und Inszenierung. Regisseur Josef Ernst Köpplinger verzichtet auf ausschweifende Psychoanalyseansätze. Die überholte Triebtheorie bleibt außen vor – ein Klavier als zentrales Element der historischen Bühne ist wichtigstes Requisit. Hier begegnen sich Lebens- und Todestrieb, Eros und Thanatos. Abgerundet durch ein furioses Finale.
Ezgi Kutlu, Daeyoung Kim, Victor Schiering, Heidi Elisabeth Meier, Melih Tepretmez, Martin Nyvall
Ein Klavier ist wichtigstes Requisit: Hier begegnen sich Lebens- und Todestrieb.
„Ariadne auf Naxos“ im Staatstheater Nürnberg: Donnerstag, 08.07.2010 20:00 Uhr • Sonntag, 11.07.2010 19:00 Uhr • Sonntag, 03.10.2010 19:00 Uhr • Montag, 18.10.2010 20:00 Uhr • Montag, 08.11.2010 20:00 Uhr • Montag, 02.05.2011 20:00 Uhr • Sonntag, 08.05.2011 15:30 Uhr
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Fotos: Jutta Missbach, Staatstheater Nürnberg
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